Schon seit 2016 sind die Grenzen auf der sogenannten Balkanroute in Südosteuropa geschlossen. Nichtsdestotrotz reisten weiterhin viele Menschen auf der Route bis nach Serbien. Die Situation der dort lebenden Geflüchteten ist stark durch den langen Aufenthalt mit anhaltender Perspektivlosigkeit gekennzeichnet, was bedeutet, dass sich die meisten Geflüchtete bereits mehrere Monate oder Jahre in Serbien aufhalten. Laut einem Bericht des UNHCR waren im Februar 2020 insgesamt 6.725 Geflüchtete in Serbien (vorwiegend aus Ländern, wo sie vor mit bewaffneten Konflikten oder einer großen Grundunsicherheit geflohen sind). Insgesamt 5.530 von ihnen sind in staatliche Asyl- und Aufnahmezentren untergebracht, während der restliche Teil an verschiedenen informellen Unterkünften im Land verbleibt. Die Mehrheit dieser Menschen ist somit aktuell in Serbien gestrandet und auf der Suche nach Möglichkeiten, die Reise irregulär fortzusetzen (bspw. durch Menschenhandel oder -schmuggel). Diese Menschen befinden sich daher in einer sehr verwundbaren Position und sind der Gnade von Schmuggler*innen und anderen Kriminellen ausgeliefert, die oftmals nicht vor Gewalt zurückschrecken. Angesichts der Entwicklungen in Syrien Anfang des Jahres (Änderungen der Migrationspolitik der türkischen Behörden ab Ende Februar 2020) ist zu erwarten, dass sich die Zahl der Geflüchteten in Serbien in der kommenden Zeit weiter erhöhen wird. Angesichts der aktuellen Erfahrungen ist darüber hinaus zu erwarten, dass sich der Anteil von Kindern und Jugendlichen innerhalb der Gruppe der ankommenden Geflüchteten deutlich vergrößert.

Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind am meisten gefährdet und nach wie vor einem hohen Risiko verschiedener Formen von Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt. Darunter zählen physischer, psychischer und sexueller Missbrauch sowie auch sexuelle Ausbeutung, Zwangsprostitution, Zwangs- und Kinderehen usw. 

 

Durch die Corona-Pandemie hat sich die Lage weiter verschlechtert 

Die Geflüchteten hatten bereits unter regulären Umständen Probleme damit, anerkannt zu werden. Die aktuelle Situation verbessert die Ausgangslage nicht gerade. Eine Reihe von Menschen, die es in den letzten Jahren geschafft haben, volle Unabhängigkeit zu erlangen, haben in der aktuellen Corona-Krise nun ihre Arbeit verloren. Dies hat natürlich massive Auswirkungen auf das Leben und die Existenz ihrer Familien. Die allgemeine Unsicherheit wirkt sich zudem auf die psychologische Entwicklung aus und untergräbt damit auch die Fortschritte, die im Bereich Traumata-Behandlung und der erlangten Unabhängigkeit erreicht worden sind.

Was tut unser Projekt vor Ort?

Die Nichtregierungsorganisation Atina setzt sich aktiv für Geflüchtete ein, insbesondere aber für die am meisten gefährdeten dieser Bevölkerungsgruppe, nämlich Kinder und Jugendliche. Der Einsatz von Atina ist dabei vielfältig: Von der sicheren Unterbringung über Fallmanagement, psychologische Unterstützung, kultureller Bildung  bis hin zu Workshops.

In der aktuellen Corona-Krise sollen geflüchtete Kinder und Jugendliche so gut und umfassend wie möglich unterstützt werden. Daher wird versucht, Notfallhilfe zu betreiben, psychosoziale Unterstützung und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu fördern. Aufgrund der durch das Coronavirus verursachten Umstände musste Atina die bestehende Arbeit komplett neu organisieren und umstrukturieren. Insbesondere wurde die alltägliche direkte Unterstützung für die jungen Geflüchteten massiv erschwert. Gleichzeitig ist die Nachfrage so hoch wie nie: In der Notrufzentrale von Atina gingen siebenmal mehr Anrufe ein als in der Zeit davor.