Wie sieht die aktuelle Situation in unserem Projekt „Straßenkindern eine Chance“ in Tirana, Albanien aus? Projektleiterin Ana Majko beantwortet unsere Fragen im Interview.

Wie sehen die derzeitigen Arbeitsbedingungen für dich und das Team aus?

 Wir haben weiterhin alle unsere Arbeitsbedingungen aufgrund der Corona-Pandemie angepasst und arbeiten mit erheblichen Einschränkungen. Für uns steht weiterhin im Vordergrund, uns selbst und die Mitmenschen davor zu schützen, sich mit dem Virus zu infizieren. Wir haben alle unsere Aktivitäten in der Gemeinde umstrukturiert und bieten in unserem Zentrum aktuell nur Notfalldienste an. Dabei geht es vor allem darum, Familien mit Nahrungsmitteln und Hygienepaketen zu unterstützen sowie pädagogische Betreuung für Kinder zu sichern, die aufgrund fehlender Ausrüstung nicht am Online-Unterricht teilnehmen können. Dafür nutzen wir mobiles Lernen.

Des Weiteren können aktuell Jugendliche das Zentrum wieder aufsuchen, um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen, wie beispielsweise das Nutzen der Wasch- und Toilettenräume. Dafür haben wir ein eigenes Hygienekonzept entwickelt.

 

Wie hat sich die Zahl der Infektionen entwickelt und welche entsprechenden Maßnahmen sind noch in Kraft?

Zurzeit haben fast alle Unternehmen und Betriebe unter Auflagen wieder geöffnet. Die albanischen Bürger*innen respektieren diese Einschränkungen weiterhin, aber die Zahl der Infektionen steigt leider von Tag zu Tag wieder. Da die Krankenhäuser meist nicht über mehr als 100 Intensivbetten verfügen, könnte dies dazu führen, dass die Regierung einen erneuten Lockdown beschließt, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Doch ist diese Information ist noch nicht offiziell bestätigt worden und wir hoffen, dass durch das konsequente Einhalten der aktuellen Maßnahmen ein zweiter Lockdown verhindert werden kann.

 

Welche Auswirkungen hat das auf eure Zielgruppe?

Wie bereits berichtet, gehört die Zielgruppe, mit der wir arbeiten, zu den am meisten gefährdeten Familien im Großraum Tirana. Ihnen fehlt es schon ohne die aktuelle Corona-Krise am Nötigsten, um sich selbst zu versorgen. Ein erneuter Lockdown würde sie nochmals stärker unter großen Druck setzen, da sie weiterhin ohne wirkliche Möglichkeiten wären ihre Familien zu versorgen. Die Kinder haben weiterhin keine Möglichkeit die Schule zu besuchen und sind angesichts der schwierigen Lebensbedingungen in der Krise noch anfälliger für Straßenkriminalität oder Ausbeutung. Wir versuchen weiterhin mit unseren Interventionen diese Familien und Jugendliche für die aktuelle Situation zu sensibilisieren und unterstützen, wo es geht.

 

Welche Auswirkungen hat das auf das Projekt?

Wie bereits berichtet, mussten wir in den letzten Monaten alle Projektaktivitäten umgestalten. Die meisten Aktivitäten konnten in den Räumlichkeiten des Zentrums nicht weiter durchgeführt werden. Auch die Umstrukturierung der pädagogischen Unterstützung direkt in der Gemeinde hat Herausforderungen mit sich gebracht, da wir einerseits unsere Mitarbeiter*innen nicht in Gefahr bringen wollten und andererseits die Kinder aber in unsere neu entwickelten pädagogischen Projekte einbezogen werden mussten. Nichts desto trotz, habe ich das Gefühl, dass es insgesamt positive Auswirkungen auf die Gemeinde hat, da wir aktuell nicht nur direkte Unterstützung anbieten können, sondern unserer Zielgruppe, den Kindern und Jugendlichen, durch die neuen Angebote auch neue Perspektiven eröffnen konnten.